Elbinsel, 25.06.2019
Wilhelmsburger Kunstbüro und Freunde Wilhelmsburger Kunstbüro und Freunde

Enttäuschungen

 

Seit fast einem Vierteljahrhundertenttaeuschungen klein leite ich das Kunstbüro Wilhelmsburg. Naja, was heißt „leiten“? Ich regiere nicht, habe keine Untertanen, ziehe keine Steuern ein ... Ich bin der Vorsitzende des Vereins und versuche, Projekte zu entwickeln und voranzutreiben. Und dabei sind mir die Menschen, mit denen ich zu tun habe, wichtig. Zu einigen pflege ich freundschaftlichen Kontakt.

 

 

Im Laufe der Jahre erlebte ich schon herbe Enttäuschungen und Rückschläge.

So etwas tut weh, kostet eine Menge Kraft und demotiviert.

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Stadtteilkünstler
Seit mehr als 20 Jahren beanspruche ich einen Titel für mich, der weder an der Fachhochschule noch Uni zu erwerben ist. Stadtteilkünstler wird man durchs selber machen, leben, ausprobieren, Zufall. Während den gut 20 Jahren, die ich meiner Berufung fröne, schaute ich immer wieder, wer ähnlich unterwegs ist. Es sind nicht viele. Einige tun ähnliche Dinge wie ich, aber sie verbinden dies nicht mit einem besonderen Anspruch. Professionelle Künstler rümpfen bisweilen die Nase. Stadtteilkünstler klingt volksnah, ja populistisch. Ein StaTeKü hat viel mit Menschen zu tun. + die können ihn ganz schön auf Trab bringen – und von der Kunst ablenken. Der berühmte Elfenbeinturm ist da ein vergleichsweise sicheres Heim.

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Die „soziale Frage“
 
In unserem Verein spielt Kunst eine die soziale frage kl Haupt-Rolle – wie der Name bereits andeutet. Ob Literatur, Malerei, Rhetorik, Bildhauerei, Theater: Es gibt viele Bereiche, die von dem, was wir unter „Kunst“ verstehen, tangiert sind. Es liegt an jedem selber, ob ein Funke überspringt oder, anders ausgedrückt, ob der Umgang mit Kunst -in welcher Weise auch immer- fruchtbare Ergebnisse bringt. Bei unseren Aktivitäten gibt es viele Kontakte mit Menschen unter-schiedlichster Herkunft. Die berühmte „soziale Frage“ stellt sich hier. Ich lasse mich immer wieder auf Menschen ein – was meiner eigenen Kunst, meiner künstlerischen Arbeit nicht immer gut tut. Krasser formuliert: Es passiert mir nicht selten, daß ich in die Rolle eines Sozialarbeiters gerate, dem andere ihr Herz ausschütten. Die meisten Probleme kann ich nicht lösen. Ich habe mit meinen eigenen genug zu tun. Deshalb grenze ich mich gegen zu viel Kommunikation, gegen zu viel Sozialarbeit ab. Bisweilen verschließe ich meine Tür, lasse Klagen und Jammern hinter mir, und konzentriere mich auf das „Eigentliche“.

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