Elbinsel, 27.05.2019
Wilhelmsburger Kunstbüro und Freunde Wilhelmsburger Kunstbüro und Freunde
 

Bilk van Willich

 

Entschuldigen Sie

 

Ich entschuldige mich bei Ihnen, daß ich lebe.markus klein Man ist ja eine Belastung für die anderen, für die Umwelt und so. Diese Last zu tragen ist ja auch nicht einfach. Außerdem schreibt es ja der neue Knigge so vor. Jetzt soll man sich ja entschuldigen, wenn man niest. Da man ja für das Niesen nicht die geringste Schuld trägt, heißt das ja wohl, daß man sich dafür entschuldigt, daß man überhaupt lebt.

Aber man hat ja allerhand Grund, sich zu entschuldigen. Die Welt geht zum Teufel, das Klima und die Umwelt. Entschuldigung, ich habe mich natürlich wieder unkorrekt ausgedrückt, die Welt bleibt natürlich da, aber der Rest? Man müsste viel mehr tun, um die Umwelt zu erhalten. Früher war man viel engagierter, aber heutzutage nichts als schlechtes Gewissen. Sicher, ich habe mir einen A+ Kühlschrank angeschafft. Entschuldigung, aber ich habe nicht soviel Geld für A++, die Waschmaschine ist auch nur doppelt A. Gut, ich habe nur Energiesparlampen und Steckerleisten zum Abstellen, damit die Geräte auch im Standby keinen Strom verbrauchen. Aber ich habe immer noch keinen Ökostromanbieter. Entschuldigung.

 

Ich würde gerne mal so richtig durchgreifen. Tempolimit, nur Verkauf von A+++ Geräten, Verbot von Fernflügen zum Spaß, Verbot von AKW’s, Alternative Energien für alle. Und Fahrer von Geländewagen und Porsches, drei Monate Knast, im Wiederholungsfall noch viel mehr. Ich klammere mich daran fest, daß das helfen würde. Aber entschuldigen Sie meine Ohnmacht.

 

Das Problem fängt da aber vielleicht erst an. Hoffnungen und Befürchtungen gehen einher mit der Frage, ob das überhaupt noch etwas bringt. Und meine Befürchtung ist – obwohl sich die Hoffnung noch daran klammert – der Zug ist abgefahren. Die Menschheit bekommt die Klimaerhöhung nicht mehr in den Griff. Zwei Grad Temperaturerhöhung wird das Raubtier Mensch lässig verfehlen. Neun Milliarden Menschen sind für diesen Planeten viel zu viel. Und ich fürchte, daran würde eine Seuche wie die Pest weltweit auch nichts mehr ändern. Entschuldigen Sie, daß ich so etwas überhaupt zu denken wage, ich weiß, das gehört sich nicht. Also wird der Planet wohl einen Kollaps bekommen müssen, um ohne die Menschheit überleben zu können. Entschuldigen Sie, wenn ich Sie jetzt erschreckt haben sollte – ich meine natürlich nicht ganz ohne Menschen. Vielleicht 50 Millionen weltweit, soviel könnte die Erde vertragen. Anpassungsfähig, als Eskimo oder Tuareg, ohne industriellen Komplex, ohne Dominator dieses Planeten zu sein.

 

Die andere Möglichkeit ergibt sich vielleicht aus einer ganz anderen Richtung. Von allen Richtungen über den Tod hinaus, neige ich am meisten zum Gedankengut der Wiedergeburt – wobei ich mich nochmals ausdrücklich dafür entschuldigen möchte, daß Sie sich mit meinem Glaubenssystem befassen müssen. Wenn ich also in einem nächsten Leben wiedergeboren werden und einfach akzeptieren kann, daß der Zug abgefahren ist, dann könnte ich ja Porschefahrer werden, denn das macht auch nichts. Und ich werde mich dann dafür entschuldigen, daß ich dies nicht schon in diesem Leben gewesen bin.

 

Bilk van Willich (Notizen) an Sonntag, 7. August 2011 um 19:27

 

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Meister Propper
Günther Kahrs alias Meister Propper zeigte sich m propper1 kleinbestens gelaunt. Sein AKAS-Club war gut besucht. AKAS bedeutete Alles Könnte Anders Sein. Die Ausstattung der Kellerräume war denkbar schlicht: Eine Couch, etliche Stühle, Hocker, zwei oder drei Tische, zwei Holzbänke, Plastikblumen. Die meisten Möbel kamen vom Sperrmüll. „Uns-Günni“, wie er sich ironisch titulierte, war ein, nein: DER Protagonist der Bremer Subkultur. Zu den Abenden in der Weberstraße kamen Leute vom Ostertor und aus anderen Stadtteilen. Aus Hamburg und Hannover reisten Musiker und Schriftsteller an.
Zwei Leute vom Writer’s Corner stellten die neue Ausgabe ihrer Zeitschrift vor. Das 28 A5-Seiten schmale Heft mit Texten, Grafiken und Kleinanzeigen hatte eine Auflage von 1000 Exemplaren und kostete eine Mark. Ein Non-Profit-Unternehmen, wie sich ausrechnen läßt. Die ZS-Macher fochten für radikal-demokratische Prinzipien. Der Name rührte vom englischen speaker’s corner (Wikipedia: Speakers’ Corner („Ecke der Redner“) ist ein Versammlungsplatz am nordöstlichen Ende des Hyde Park in London, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Marble Arch. Durch einen Parlamentsbeschluss vom 27. Juni 1872 (Royal Parks and Gardens Regulation Act) kann hier jeder ohne Anmeldung einen Vortrag zu einem beliebigen Thema halten und auf diesem Weg die Vorübergehenden um sich versammeln.). Der Vortrag des Writer’s Corner – Herausgebers Gisbert Zalich wurde mehrfach unterbrochen, auch von Günther. Im AKAS-Club durfte fast jeder machen, was er wollte. Besonders der Hausherr nahm sich alle Freiheiten. Die physiognomische Ähnlichkeit des Kahlrasierten mit der Figur aus der Waschmittel-Werbung war frappierend.

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Helga Sophia Goetze (1922 - 2008)

gehörte zu den wenigen echten Unterstützern.helga u bettina berlin klein

Auch wenn sie mich öfters kritisierte – sie zählte zu den Freunden des Kunstbüro,
war sehr hilfreich.Sie stellte kostenlos  hunderte von Gedichten zum Abdruck zur Verfügung und spendete auch bisweilen Geld.
 
* Ab der ersten Ausgabe von „ELB-INSEL – Zeitschrift für Kunst & Kultur“ (1990 – insg. 5 Ausgaben) bis zur (vorläufig) letzten Ausgabe    (# 15) von „herzGalopp – Zeitschrift für Poesie & Lebenskunst“ war Helga in allen Ausgaben mit Gedichten, manchmal auch Bildern vertreten. Helga tat nicht großzügig, sie war es. In schätzungsweise 20 bis 30 Radio-Sendungen „Unkraut vergeht nicht“ bzw. „Radio Brisanz“ war Helga zu hören. Ich besaß/besitze umfangreiches Interview-Material sowie Ausschnitte aus Lesungen.
 
 
 
* Heute kümmert sich der Vereinhs goetze-rote liebe klein Metropole Mutterstadt e.V. um ihren Nachlaß. Ihre Stickbilder und Gemälde gingen komplett als Dauerleihgabe ans musee de l’art brut in Lausanne (Schweiz). Ihren literarischen Nachlaß verwaltet die Berliner Galeristin Karin Pott.
 
 
* Bei bod erschien der Gedichteband „Zeugnisse eines Aufbruchs“, zu dem ich ein Vorwort beisteuerte. Außerdem gab ich das Buch „Rote Liebe“  zum gleichnamigen Film von Rosa von Praunheim, in dem Helga die Hauptrolle spielt, neu heraus.
 
 
 
* Weitere Informationen: www.helgagoetze.de sowie diverse Posts, Websites etc. im Internet.
 
 
 
 In unserer Galerie gibt es noch 2 interessante Strickbilder von Helga zu bestaunen.
 
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